Das, was du bist, ist im Göttlichen enthalten

Frage: Womit ich mich immer wieder schwer tue, ist dieses „innen und außen“. Es ist immer noch so, dass ich wirklich nach innen gehen muss, um wieder in der Tiefe anzukommen, um wieder eine Wahrnehmung zu haben, zur Wirklichkeit hin ausgerichtet zu sein. Ich kann das immer noch nicht gleichzeitig, ich bemühe mich und es ist immer wieder so, dass ich mich im Außen, in der Welt, verliere.

Ich hatte an Ostern eine ganz tiefe Erfahrung, dass die größte Zuversicht ist, dass alles im Göttlichen enthalten ist. Aber es ist so, wie wenn ich das im alltäglichen Leben nicht als eins, oder als Ganzes leben und erfahren kann. Wie kann ich damit besser und bewusster umgehen?

Artur: Das was du bist, ist im Göttlichen enthalten. Das was du bist, ist ungetrennt vom Göttlichen. Es würde dich nicht geben, wenn es das Göttliche nicht geben würde. Deine Existenz, dein existenzielles Bewusstsein über die Welt, ist immer ein Zeichen, ein Beweis für die Göttlichkeit. Denn aus dir selbst heraus kannst du nicht existieren. Die persönliche Identität ist eine fiktive Existenz. Sie hat keine Substanz. Das was du bist, ist unmittelbar aus der Göttlichkeit, und ist in ihr enthalten.

Frage: Ja, dem kann ich folgen. Das kann ich gut nachvollziehen. Das heißt ich muss im Alltag, wenn ich im Außen bin, die Momente bemerken, wenn ich in die Identität rutsche, wenn ich diesen Zugang verliere?

Artur: Sei auf eine umfassendere und präsentere Weise in deiner Weltlichkeit. Soweit umfassend und präsent, dass du deiner Ungetrenntheit von der Göttlichkeit gewahr sein kannst: Umfassender werden, bewusster werden, präsenter werden, im Sinne einer Gleichzeitigkeit deiner Existenz, die du weltlich vollziehst und dem Gewahrsein der Göttlichkeit, von der du ungetrennt bist.

Frage: Das hat auch mit Ausdehnung zu tun? Ich glaube, wenn ich mich ausdehnen kann, ist die Wahrnehmung leichter und neutraler.

Artur: Wenn das geschieht, was du Ausdehnung nennst, geschieht es auf eine Weise, dass das was du bist, diese Bewusstheit, die du bist, losgelöster ist von dem, was du existenziell erfährst und wahrnimmst. In den identifizierten Aspekten wirst du weniger werden und in dem, was du wirklich bist, ist mehr Präsenz. Aber das Entscheidende dabei ist, wenn du davon ausgehst, dass du etwas Getrenntes bist, was persönlich, autonom existiert: In dem Sinne ist das nicht. Diese scheinbare Autonomie ist nicht gegeben. Das was du bist, hat kein Interesse an dieser scheinbaren persönlichen Autonomie. Und dann ist es sehr real. Real, da nur die eine Wirklichkeit gegeben ist und die Welt in ihr. Und dein Wahrnehmen der Welt ist auch in ihr. Das ist sehr unmittelbar und real. Also das, was noch nicht als Konstante gegeben ist, ist die Abwesenheit von dir, als etwas scheinbar autonom Existierendes. Ist diese scheinbare Autonomie, die nie real war, aufgelöst, sind deine Probleme nicht gegeben.  Es gibt weltliche Angelegenheiten, die zu bewältigen sind. Das was du bist, ist eins mit der Göttlichkeit, und in ihr ist die Welt, die zu bewältigen ist. So ist die Realität deiner Existenz. Und das ist wunderbar.


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