Suche nach der Quelle des Ichs
und du findest – das Ich ist eine Illusion

Frage: Ramana sagt, „Finde die Quelle des Ichs” und ich finde die Quelle des Ichs nicht. Manchmal habe ich den Eindruck, dass der Ich-Gedanke im Kopf entsteht, auftaucht und wieder verschwindet, aber ich finde den Ursprung des Ich-Gedankens nicht.

Artur: Der Ursprung des Ich-Gedankens ist von anderem Wesen als der Ich-Gedanke. Wenn das Ich nach etwas seinem Wesen entsprechenden sucht, wird es nicht finden können. Der Ursprung ist eine andere Dimension, unbegreiflich für das Ich und für das Erfassen mit dem Ich. Das Ich ist nur ein Phänomen in dem endlosen, unbegreiflichen Urgrund. Wenn das Ich nach dem Ursprung als einem Objekt sucht, kann es dieses nicht finden. Denn die Quelle der Wirklichkeit ist alles, das zeit- und raumlose Wesen von allem.

F: Soll ich dann aufhören zu suchen?

A: Als das Ich, aber nicht als das Bewusstsein. Bemühe dich darin zu verweilen, was des Denkens nicht bedarf, was der Gefühle nicht bedarf, was des Körpers nicht bedarf, des alltäglichen Ablaufs nicht bedarf und stets vorhanden ist. Und ungetrennt ist von dem Bewusstsein, das du bist, ungetrennt von dem Seienden, das deine Existenz ausmacht, ungetrennt ist von deinem Erleben, im Leben zu sein, das Leben wahrnehmen zu können, sich als lebendig erfahren zu können. Das ist die Richtungsweisung, auf die Dimension, die die Quelle deiner Selbst ist. Das wahre Selbst ist das Bewusstsein, dass sich fälschlicherweise mit dem Geist und dem Körper, die dir gegeben sind, identifiziert. Dieses wahre Selbst ist umfassender als der Körper und der Geist, ist in Wahrheit die Gesamtheit der Existenz, worin alles enthalten ist. Dieses wahre Selbst geht noch darüber hinaus in das Unbegreifliche jenseits von Form, Raum und Zeit. Das wahre Selbst ist der Ursprung, in dem das Bewusstsein erscheint, und sich dem Ursprung nur hingeben kann, weil er so unbegreiflich ist, wie das Erscheinen, Bestehen des Bewusstseins innerhalb der Existenz. Das Bewusstsein erkennt den Ursprung als die Quelle der nicht endenden Güte, Liebe, des Seienden, das bedingungslos ist. Dem kann das Bewusstsein nur auf eine Weise begegnen: in vollkommener Hingabe.

Diese vollkommene Hingabe ist das Aufgeben vom Ich, von jeglicher Ichheit, Identität, die noch in der Vorstellung gefangen ist, geistige Strukturen, der Körper, zu sein; den Lebenskontext, den das Ich führt, für eigen zu halten. Die Hingabe löst dieses Halten auf. Das Bewusstsein ist hingegeben dem Ursprung vom allen, das es erleben kann, und auf diese Weise ist es dieses Ursprungs gewahr. Das ist die umfassendste Dimension deines wahren Selbst, die Quelle deines Ichs, das nur eine Illusion ist.

F: Aber dann bin ich nicht der Körper-Verstand-Organismus, ich bin aber mit ihm verbunden?

A: Du warst immer dieses Bewusstsein und dieses Bewusstsein bleibt. Und dieses Bewusstsein ist ohne persönliche Identität verbunden mit dem Geist als Intelligenz und mit dem Körper als die Natur.

F: Das heißt, ich kann trotzdem Schmerzen fühlen oder ich kann Freude fühlen, aber ich werde mich nicht damit identifizieren.

A: Du wirst Schmerzen, Freuden, Gesundheit, Krankheit erleben, aber die Identität, die leidet ist nicht vorhanden. Im Zustand der Hingabe an den Ursprung hört das Leiden auf. Das Bewusstsein ist von seinem Ursprung nicht mehr getrennt, ist eins mit ihm, verbunden mit der Existenz; in Form vom Körper, vom Geist mit ihrer Gesamtheit und ihren Phänomenen, die sich stets wandeln. Das Bewusstsein weiß in dieser Hingabe, dass es unbegreiflich größer ist als diese sich wandelnde Phänomene und ist in dieser unbegreiflichen Größe seines Wesens.

F: Wie bin ich in diesen Zustand gekommen? Ramana sagt doch: Karma und andere sagen: kein Karma.

A: Du wurdest in Unbewusstheit auf dieses Ich konditioniert wie jeder Mensch in dieser Gesellschaft konditioniert wird. Sich für das Ich zu halten ist die still schweigende Annahme, die Kinder durch die Erziehung vermittelt bekommen und annehmen und später in ihrem Lebensablauf festigen. Auf diese Weise geschieht die Identifikation.

 

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