Gewahrsein der Präsenz der spirituellen Wirklichkeit – der natürlicher Zustand des Seins

Frage: Könnest Du etwas sagen zu diesen Schwankungen oder der Nacht des Geistes. Es gibt Perioden, da meditiere ich sehr gerne und alles kommt einfach. Und dann gibt es Zeiten so wie jetzt im Moment, da ist alles schwer, als ob alles Negative in mir hochkommt wie Wut, Zorn und Ärger und Unwillen und gleichzeitig schon die Sehnsucht, dabei zu bleiben. Ich habe das Gefühl, das geht zyklisch.

Artur: Du beschreibst die Schwankungen des inneren Befindens. Dieses existenzielle Befinden unterliegt den existenziellen Einflüssen. Ein unruhiges äußeres existenzielles Umfeld bringt ein unruhiges inneres Befinden in jedem Individuum. Das kann sich entfalten bis zum kollektiven Phänomen. Die Wirklichkeit ist die unbegrenzte Präsenz, in der alle existenziellen Geschehnisse und die Wandlung des inneren Befindens erfahren werden. Dieser unbegrenzten Präsenz der Wirklichkeit gewahr zu sein ist eine natürliche Meditation, die stets anhält - natürlich, in dem sie weiß, auf welche Weise sie sich löst von der existenziellen Veränderung, von dem inneren Befinden. Das Bewusstsein ist sich dieses transzendenten Raumes gewahr, in dem alles enthalten ist und sich vollzieht. Auf diese Weise sammelt sich das Bewusstsein in seine natürliche Art zu sein. Diese natürliche gesammelte Art des Seins bleibt in allen existenziellen äußeren und inneren Wandlungen bestehen, ungetrennt von der wandellosen Wirklichkeit.

Frage: Kann es sein, das sich diese Zustände im jeweiligen Verhältnis zeigen? Mir kommt es manchmal so vor, dass je stärker ich in die eine Richtung gehe, umso stärker und tiefer auch ein Gegenschlag kommt. Kann das sein?

Artur: Das ist die Gegebenheit im Bereich der existenziellen Bewegung des Bewusstseins. Die wandellose Wirklichkeit ist immer präsent als der Raum, in dem alles enthalten ist und sich vollzieht. Ihr Gewahrsein ist permanent und konstant. Nur im Bereich des Existenziellen des Bewusstseins gibt es extreme Wandlungsformen, so wie du beschreibst; je extremer du dich existenziell annäherst, bewirkt das das Gegenteil. Das sind die Bewegungen innerhalb des Existenziellen. Der natürliche meditative Zustand besteht im Gewahrsein des Wandellosen, besteht darin, stets im Wandellosen gesammelt zu sein, aus dieser Sammlung existenziell wahrzunehmen. Das ist ein wesentlicher, befreiender Unterschied. Das, wofür du dich gehalten hast, das sich in der Existenz bewegt hat, schwächt sich allmählich, bis es nicht mehr da ist. Nur die wandellose Wirklichkeit, die unmittelbar über das Bewusstsein die Existenz wahrnimmt, ihrer selbst gewahr ist, bleibt und existiert. Die Last von etwas Persönlichem, das sich existenziell verliert, hört auf. Die Betrachtung der Existenz geschieht auf eine gesammelte Weise.

Frage: Wenn ich das in den praktischen Bereich übertrage, bedeutet das dann, dass es reicht, das anzuschauen was passiert, das zu sehen?

Artur: Das ist die natürliche Art, auf welche das Bewusstsein existiert – in Bezug auf die äußere sinnliche Welt kann es dem äußeren Sinnlichen nicht entkommen, muss es das wahrnehmen, stets erkennen, wie es real ist. Ein anderer Aspekt seiner natürlichen Funktionsweise ist das Selbst – Gewahrsein, das Gewahrsein seiner wandellosen Wirklichkeit, der es entspringt und von der es ungetrennt ist. Das ist der natürliche Zustand des menschlichen Bewusstseins, in dem sich ein Mensch von allen Arten des Funktionierens befreien kann, die nicht natürlich sind. Die Existenz muss im Gewahrsein des Wandellosen, Grenzenlosen wahrgenommen werden, worin die Existenz enthalten ist und sich vollzieht. Das ist die Grundlage des natürlichen Seins. Auf dieser Grundlage entfachen sich die vielfältigen menschlichen Fähigkeiten in den Bereichen des Empfindens, der Sensibilität und der Kognition, der Erkenntnis, des Begreifens, die ineinander fließen und dem Menschen in Bezug auf sein Äußeres existenzielles Lebensfeld und seine innere Befindlichkeit Handlungsfähigkeit verleihen.

Aus diesem Grund verfehlen selektive spirituelle Methoden, Übungen das Ziel der Natürlichkeit des Seins des menschlichen Bewusstseins. Sie können die Ganzheit nicht herstellen, sie sind selektiv. Die Natürlichkeit ist allumfassend, alle Bereiche, Ebenen der Wirklichkeit, die unmanifestierten und die manifestierten wahrnehmend, erlebend. In diesem natürlichen Zustand des Existierens ist das Heil. Solange dieser natürliche Zustand dem Menschen nicht möglich ist, lebt er in einer Spaltung, kann er nicht in der Gesamtheit seines Wesens heil werden, das von der Gesamtheit aller Bereiche der Wirklichkeit ungetrennt ist.

Frage: Mir geht immer noch ein Satz durch den Kopf, den du ganz zu Anfang zu mir gesagt hast: „Ohne Mühe keine Veränderung.” Du hast gesagt, dass alles Bestreben auf dem geistlichen Weg dem untergeordnet ist. Ich frage mich, inwiefern alles dem unterzuordnen ist. Um einfache Beispiele zu geben, dass ich hier komme anstatt ins Kino, oder es geht auch weiter – auf der moralischen Ebene – dass ich unliebsame Eigenschaften verändere indem ich mir so gut es geht Mühe gebe.

Artur: Ohne die Mühe kann sich nichts verändern. Nun, auf welche Weise diese Mühe beschaffen sein soll, bedarf oft einer Zeit des Erfahrens und Reflektierens, die sich im Allumfassenden vollzieht. Auf diese Weise wandelt sich die Mühe von persönlicher Anstrengung der Identität zum unpersönlichen Erkennen, Begreifen und Empfinden. Wenn der Mensch sich ändern soll, bedarf es diesbezüglich einer Bemühung. Diese Bemühung beginnt im allmählichen Begreifen, auf welche Weise sich diese Änderung vollzieht.

Frage: Ja, ich habe das Gefühl, da verändert sich sehr viel im Moment.

Artur: Die Veränderung vollzieht sich am intensivsten im verweilenden Zustand des Bewusstseins, das offen ist für eine Reflexion von neu Gehörtem, von anderer Perspektive der Betrachtung. Auf diese verweilende Weise, die das Seiende umfasst und das Erkennen, Begreifen, vollzieht sich am intensivsten die innere Wandlung, die im Äußeren ihre Spiegelung findet. Das ist die Art, auf welche Weise der Mensch im natürlichen Zustand in dieser Existenz funktioniert, stets lernend, erkennend, umfassender begreifend.


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