Das Selbst

Diese weltliche Situation ist im Selbst, ist das Selbst. Es ist das Selbst, das diese Situation ausmacht. Es ist das Selbst – und jeder ist dieses Selbst. Dieses Selbst ist nicht fern, nicht jenseits: es ist das Wesen dieser Situation – und diese Situation ist das Selbst. So nah ist das Selbst – es kann geatmet werden, gesehen werden, gehört, gespürt, empfunden werden. Oft können unterschwellig Annahmen vorliegen, das spirituelle Selbst sei auf irgendeine Weise ferner oder jenseitig. Es ist sehr nah, spürbar nah. Die Gesamtheit der sinnlichen Wahrnehmung, jeder Sinneskanal ist in diesem Selbst und von diesem Selbst und nimmt dieses Selbst auf – so nah ist es, so natürlich. Das bedeutet, es ist das Wesen von allem. Nicht nur von allem von dieser Situation Entfernten, sondern das Wesen von allem in dieser Situation, und das Wesen von allem, was jeden ausmacht, von allen Fassetten der Wahrnehmung des Bewusstseins, der Vitalität, der Verfassung.

Die Trennung besteht darin, es anders zu sehen, es sich anders vorzustellen – wobei in jeder Fassette der menschlichen Gesamtheit das Selbst ist. Oft, wenn es nicht erfasst wird, kann es daran liegen, dass es betrachtet wird, als etwas Entferntes, etwas von anderer Art, etwas nicht die Gesamtheit dessen ausmachendes, was der Mensch ist. So entsteht die Trennung schon in der Betrachtungsweise. Von ihr leiten sich dann die getrennten Versuche und Vorgehensweisen ab.

Der Mensch ist in seiner Gesamtheit dieses Selbst. Jede seiner feinsten Funktionen, wie die seiner Wahrnehmung, vollziehen sich in diesem Selbst. So nah und so natürlich ist das. Das zu begreifen lässt verstehen, was die Trennung ausmacht. Jede andere Annahme, jede Vorgehensweise oder Wahrnehmung, die selektiv verläuft, ist schon Trennung. Eine Funktion trennt sich heraus und scheint autonom abzulaufen. Es bedürfte zu sehen, dass es nicht so ist, dass es real nicht so ist. Jede feinste Funktionalität, wie die der Wahrnehmung, die des Bewusstseins, oder die der Aufmerksamkeit verlaufen in diesem Selbst, sind von seinem Wesen. Die Trennung zieht natürlich immer weitere Kreise und wird immer grober bis zu einem kompletten System der Getrenntheit des Bewusstseins – aber zunächst beginnt es in diesem Feinen.

Das eigentliche Spirituelle vollzieht sich unmittelbar im Selbst, sich selbst wahrnehmend, als dieses Selbst. Auf diese Weise ist dieses Selbst die Dimension des Paradieses, das gewöhnlich irrtümlich auf getrennten Annahmen jenseits gedacht wird. Es gibt kein Jenseits, entsprechend der Wirklichkeit des Selbst ist ein Jenseits nicht möglich. Es ist nur sein formloses Wesen, und die Existenz in ihm. Die Dimension des Paradieses ist dieses Formlose und die Existenz in und von ihm ungetrennt – gleicherweise der eigenen Existenz als dieses Selbst bewusst zu sein und als das Selbst zu leben. Das ist die Dimension des Paradieses, des Paradieses, als der Inbegriff der Erfüllung, von dem Zuhausesein, und von der ewigen Geborgenheit.

Aus dem heraus ergibt sich die wunderbarste Seinsweise des Verliebtseins in dieses Selbst. Das Wunderbare dieses Verliebtseins ist: dieses Selbst liebt sich selbst. Es liebt sich in jedem Atemzug, in jedem Schauen, in jeder körperlichen Empfindung, in jedem Sinneseindruck. Es wahrzunehmen, dass es so ist, ist das Entscheidendste.

In der spirituellen Befreiung geht es prinzipiell um das Wahrnehmen des Selbst, das bereits ist. Sehen, sich fein, sich schnell bewegen in diesem Selbst, baden in diesem Selbst. Das Bewusstsein uneingeschränkt ausfließen lassen, in dieses Selbst, in die Unbegrenztheit des Selbst: genießen, wie das Bewusstsein uneingeschränkt ausfließt. Auf diese Weise lässt sich trunken sein, von dem Selbst. Jede Bewegung, jede feinste Bewegung, ist die Bewegung in diesem Selbst. Jedes Augenzwinkern, ist Zwinkern in diesem Selbst. Jede Sequenz, die durch Zwinkern entsteht, Sehen – kurz Nicht-Sehen – ist in diesem Selbst. Hören, horchen, ist in diesem Selbst. Versuchen zu verstehen ist in diesem Selbst – Verstehen und auch Nicht-Verstehen, ist in diesem Selbst. Das ist ein sehr erleichternder Aspekt: auch wenn es nicht verstanden wird – das vorliegende Nicht-Verstehen ist in diesem Selbst. Verstehen ist möglich, wenn das Selbst wahrgenommen wird. Daher braucht sich niemand Sorgen zu machen, wenn er nicht versteht: Zunächst wird er das Selbst erleben – und dann verstehen. Daher ist das Nicht-Verstehen schon der Zugang zum Selbst.

Aus diesem Grund können manche Äußerungen erst viel später verstanden werden, wenn ein entsprechendes Erleben des Selbst möglich ist.

 

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